October 02, 2014

August 16, 2014

Ein ehemaliges Konzentrationslager als Theater-Party-Location.

  
Die seit 19 Jahren an unterschiedlichen off-Orten im In- und Ausland dargebrachte Theaterproduktion „Alma“ von Joshua Sobol hatte am 15. August 2014 in der „Serbenhalle“ in Wiener Neustadt, einem ehemaligen Außenlager des KZ Mauthausen, Premiere. Die Veranstalter bezeichnen den „außergewöhnlichen Spielort“ für vorerst 13 Aufführungen im August als „ehemalige Eisenbahnfabrik“[1] und ignorieren, lediglich bezugnehmend auf die Nachkriegsgeschichte der Halle, die Tragweite der historischen Ereignisse um das KZ Wiener Neustadt.
Als eines von über 40 Außenlagern des KZ Mauthausen diente die „Serbenhalle“ in Wiener Neustadt der Rüstungsproduktion für den von den Nationalsozialisten entfesselten Weltkrieg. Die nach einem Massaker der Wehrmacht an über 1.000 Serben in Kraljevo demontierte Fertigteilhalle wurde von KZ-Häftlingen in Wiener Neustadt wieder aufgebaut. Zwischen Juni und November 1943 sowie Juli 1944 und April 1945 waren dort 1.700 KZ-Häftlinge verschiedener Nationalität dem lebensbedrohenden Lagerleben und der menschenverachtenden Behandlung durch die SS ausgesetzt.[2] „Industrie-Schönheit mit Wow-Effekt“ nennt Andrea Schurian „Almas“ Ausfführungsort im Standard vom 4. August 2014. Nach der Bombardierung von Wiener Neustadt im November 1943 überstellte man die KZ-Häftlinge u.a. in das KZ Mittelbau-Dora, die Mauthausen-Außenlager Redl-Zipf und Ebensee, wo die Rüstungsproduktion unterirdisch fortgeführt wurde.
  
„Alma“ in der „Serbenhalle“ ist ein interaktives Theaterstück inklusive Sektempfang, Bahnfahrt in die Halle, Galadinner, Weinbegleitung und Party, subventioniert von Landeshauptmann Erwin Pröll.

Mit dem Zug in ein ehemaliges KZ einfahren?
Dinieren, wo vor 70 Jahren KZ-Häftlinge hungerten?
Feiern, wo einst Menschen ausgebeutet, erniedrigt, ermordet wurden?

 Schwer vorstellbar, dass sich einer der Gäste an diesem Abend tatsächlich vergegenwärtigt, wo er sich befindet. Wie viel weiß das Publikum überhaupt über die Geschichte des Ortes? An der Kranzniederlegung durch das Mauthausenkomitee NÖ beim Denkmal an der Pottendorferstraße am Tag der Premiere hat es vermutlich nicht teilgenommen, die Veranstalter von „Alma“ haben dafür auch nicht geworben, wiewohl sie sich die „geschichtsträchtige“ Aura des Ortes durchaus zunutze machen. Geschmacklos findet Regisseur Paulus Manker sein Unterfangen freilich nicht: „Die KZ-Gefangenen waren hier nicht untergebracht, sondern in einer Baracke, die es nicht mehr gibt.“[4] Er spricht von „politischen Gefangenen, die in der Rüstungsfabrik gearbeitet haben“. Diese Terminologie ist nicht nur falsch sondern grob verharmlosend.
Der Franzose Jean Lavigne etwa wurde bei einer Razzia im März 1943 in den Straßen von Nancy von der Gestapo verhaftet, sein einziges Vergehen war, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Zusammen mit 120 weiteren Franzosen aus Nancy wurde er in das KZ Mauthausen deportiert, 62 von ihnen kamen in das Außenlager Wiener Neustadt. Am 26. September 1943 erlag er den unmenschlichen Strapazen der Zwangsarbeit in der „Serbenhalle“, er war 20 Jahre alt.

Überlebenden ehemaligen KZ-Häftlingen aus Frankreich, deren Familien und Freunden wurde bei ihren jährlichen Gedenkfahrten bisher der Zutritt in die leerstehende „Serbenhalle“ verwehrt.  Eigentümer Christian Blazek hat sich auch gegen die Errichtung des Denkmals vor der „Serbenhalle“ zu wehren versucht. An einen der Vergangenheit des Ortes und dem Gedenken an die Opfer des KZ-Außenlagers geschuldeten respektvollen Umgang denkt er offensichtlich nicht. Blazek als Eigentümer hätte die Überlassung der Halle an „Alma“ auch an Bedingungen knüpfen können, wie etwa die Abhaltung einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Konzentrationslager zu Beginn der Veranstaltungen. Er hätte als Rahmenprogramm Führungen durch das Areal anbieten, eine Gedenktafel an der Fassade der „Serbenhalle“ anbringen können. Nichts dergleichen. Die gegenüber der Presse verlautbarten Formulierungen der „Alma“-Veranstalter sind bar jeder Sensibilität für die Geschichte des Ortes, bar jeder Empathie für die Opfer. Die Medien kauen es unkritisch wieder, ergötzen sich mit den Veranstaltern an den „gigantomanischen“ Ausmaßen der Halle, ihrer „gruseligen“ Geschichte, der Produktion der „berühmten“ V2.

Wie so oft in der österreichischen Vergangenheitsbewältigung wurde auch hier der unabdingbare Schritt einer öffentlichkeitswirksamen Auseinandersetzung mit der regionalen Geschichte der NS-Zeit übersprungen und gleich dazu übergegangen, den Kontext des Ortes zu überschreiben: Aus einem Gedächtnisort wird eine x-beliebige „Location“. Ohne sich der Schicksale gewahr zu sein, die die Gräuel der Nazis an diesem Ort hervorgebracht haben, ist die „Serbenhalle“ nur eine ehemalige Eisenbahnfabrik, groß genug für den Kleingeist vermeintlich Kunstsinniger. 



[2] Hans Marsalek: Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen

July 27, 2014

Shopping Mall Venice.

feat. Lotto, Adidas, Spar, McDonald's, a farmacia, and much more.

July 08, 2014

parkPlatz - Urban Garden.

 
It's paradox: the increasing density of Vienna's city center simultaneously leads to the desolation of its street space. Roof extensions demand more parking ground, consequently, garage doors replace shops and other ground level program and change the street scale environment: Streets just for vehicular traffic.
The projects aims to correct the damage done by house owners. A simple construction-kit enables the community to bridge the parking gateways and create a realm of green in contrast to the asphalt desert: green pergolas which enhance the microclimate of small streets - more green and not just cars.

The project was an entry for the City Hype competition of Departure - Vienna’s agency for the creative industries.

Please vote for the project on parkPlatz.

May 30, 2014

A glimpse on 65 Architecture Biennale-Pavilions (Absorbing Modernity: 1914-2014).

This year, the national pavilions at the 14th Architecture Biennale in Venice should angage a single theme "Absorbing Modernity: 1914 - 2014" and show there national characertistics and development of the last 100 years. See a brief summary of the 65 Biennale-Pavilions and how the countries have dealt with the topic.

May 12, 2014

Zermatt, 1900, 2014.



Zermatt in Switzerland: A place which is neither city nor countryside - but what is it? (image source: hochparterre 4/13,page 40f)

May 08, 2014

Houses made from Houses.

When designing, architects always use a pool of references - actively and passively. But what will be if architects not just use the image of a building but the real houses to create another object? Make houses from houses? Somehow like Colin Rowe and Fred Koetter in their book "Collage City" from 1978?

The publication "Konglomerate Häuser" presents a collection of design-variations created from 10 Munich houses. See the PDF preview of the book here.

KONGLOMERATE HÄUSER [aus zehn Münchner Bauten] Anekdotisches Entwerfen - dritter und letzter Teil: Aus den vorgegebenen Grundrissen von zehn Münchner Bauten galt es mit Hilfe von Militärprojektionen neue Häuser zu erdenken ...

Technische Universität München, Lehrstuhl für integriertes Bauen

April 29, 2014

Secular Retreat - Peter Zumthor.

"Even atheists need a temple", thinks Alain de Botton  and asked Peter Zumthor to design a retreat, an hermitage for nonbeliever without god in the South of England.

At a beautiful isolated site Zumthor designed a stone structure of five interlocking pavilions. It is a marriage of monolith stones and glass. A building that breathes the spirit of religious buildings but in absence of god. The building will be all about textures and the contrast between stone and glass.
"Hardcore-atheists", however, are not really excited for Alain de Botton's ideas. They accuse him of “being especially religious”.

The "Secular Retreat" should be realized in 2014.

April 02, 2014

14th International Architecture Exhibition - Fundamentals.

The 14th Venice Biennale of Architecture is about architecture - not architects.

Why a research Biennale? Rem Koolhaas "is not confident that contemporary architecture is in phenomenal shape", and that's why he sets the focus on research instead of showing exceptional architectural work as former shows.

This time, the country directors where not simple informed by the topic, but where given an exact theme: "Absorbing Modernity 1914 - 2014". The country pavilions are an integral part of the overall exhibition theme "Fundamentals".
Again, the number of contributing countries has increased. From 55 to 65 pavilions, eleven countries participate for the first time. Moreover, the 14th Biennale will take place six instead of 3 month and includes Biennale-Sessions for school around the globe.


The 14th Venice Biennale of Architecture "Fundamentals" consists of three interwoven shows: "Absorbing Modernity 1914 - 2014" at the national pavilions in the Gardini and Arsenale , "Elements of Architecture", in the Gardini, and "Monditalia" in the Arsenale. 

"Monditalia" will Architecture exploits the potential of the whole Biennale - dance,  music, theatre and cinema: a Gesamtkunstwerk. The large space of the Arsenale will be like a "brain-scran" of Italy, showing Italy as a regional country and its interactions between architecture and cinema, dance, theatre or music. 41 projects will cross the Italian territory from South to North, and more extensively from Africa to the Alps and Europe.






"Elements of Architecture" is a multiple-authored exhibition in the Central Pavilion, at the Gardini focosing on the fundamentals of buildings: the floor, the wall, the ceiling, the roof, th
e door, the window, the façade, the balcony, the corridor, the fireplace, the toilet, the stair, the escalator, the elevator, the ramp, etc. The exhibition will be far more open to a larger public because everybody has an opinion about for example "a door".

Each space will be dedicated to a single architectural element, like the reseach of Friedrich Mielke's Institut für Scalalogie (stair-science), or a live-construction-facility of aluminium windows, and presented in a different manner. "It will be an exploration of the familiar, the erased, and the visionary dimensions of architecture." Why, for example, did we become so addicted to comfort and hate challenges?

The exhibition "Absorbing Modernity 1914 - 2014" focuses the lens on national identity, more closely, why these identities have been sacrificed to modernity in the last 100 years. Complete different factors (wars, diverse political , regimes, different states of development, national and international architectural movements, individual talents, friendship, ...)  have led more or less to the same result, however, which unique national features and mentalities continue still exist after 100 years?

Like Paolo Baratta the president of the Biennale writes: "With Rem Koolhaas our aim is to create an exceptional, research-centered Architecture Biennale, [..] that involves the entire Biennale, which fully exploits its potential."

The 14th Intl. Architecture Exhibition, directed by Rem Koolhaas, will run from 7 June to 23 November 2014 at the Giardini and the Arsenale.

April 01, 2014

Elements of Architecture - Fundamentals

Screen capture during the press conference of the 14th Architecture Biennale: the massive book "Elements of Architecture" - the accompanying book of the "Fundamentals" exhibition. 

The book "Elements of Architecture", will be dedicated to the fundamental elements of architecture and is done in collaboration with a research team under Koolhaas' direction from the Harvard Graduate School of Design. The book, as well as the graphic identity of "Fundamentals" are designed by Irma Boom.